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Du liest: Hormonersatztherapie Nebenwirkungen: Was stimmt, was ist Mythos?

Kaum ein Thema löst in der Gynäkologie so viele Fragen aus wie die Hormonersatztherapie, kurz HET oder HRT. Lindert sie Wechseljahresbeschwerden? Ja, das macht sie nachweislich. Aber: Wie sicher ist sie? Was sind typische HRT-Nebenwirkungen, und wie groß sind die Risiken wirklich? Dieser Artikel gibt Dir eine sachliche, wissenschaftlich aktuelle Antwort - ohne Panikmache, aber auch ohne Verharmlosung.

Welche Nebenwirkungen hat die Hormonersatztherapie?

Wie bei jedem Arzneimittel können auch bei der Hormonersatztherapie Nebenwirkungen auftreten, vor allem in den ersten Wochen nach Beginn der Behandlung. Häufig berichten Frauen von:

  • Brustspannen oder Empfindlichkeit
  • leichter Übelkeit, vor allem bei oralen Präparaten
  • Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit
  • Kopfschmerzen
  • unregelmäßigen Schmierblutungen, besonders zu Beginn

Diese Symptome sind meist vorübergehend. Sie entstehen, weil sich Dein Körper an die veränderten Hormonspiegel anpassen muss. In vielen Fällen lassen sie sich durch einen Wechsel des Präparats oder der Darreichungsform deutlich reduzieren - zum Beispiel vom oralen Östrogen zum transdermalen Pflaster oder Gel.

Erhöht die HET das Brustkrebsrisiko?

Das ist die Frage, die Frauen am häufigsten beschäftigt. Ausgangspunkt vieler Verunsicherungen war die Women's Health Initiative (WHI) aus dem Jahr 2002, deren erste Auswertung ein erhöhtes Brustkrebsrisiko unter Kombinationstherapie (Östrogen plus synthetisches Gestagen) zeigte. Was damals kaum kommuniziert wurde: Die Studie verwendete alte, synthetische Hormone, und die Teilnehmerinnen waren im Durchschnitt 63 Jahre alt, also deutlich älter als Frauen, die typischerweise eine HET beginnen.

Neuere Langzeitdaten und aktuelle Leitlinien zeichnen ein deutlich differenzierteres Bild. Für Frauen, die die Therapie in den ersten zehn Jahren nach der Menopause beginnen (sogenanntes "Timing-Window"), ist das absolute Brustkrebsrisiko gering. Bioidentische Progesteron-Präparate weisen dabei ein günstigeres Risikoprofil auf als synthetische Gestagene. Eine reine Östrogentherapie bei Frauen ohne Gebärmutter erhöht das Brustkrebsrisiko laut aktueller Datenlage nicht, möglicherweise sogar im Gegenteil.
Wichtig: Dein individuelles Risiko hängt von Faktoren wie Familiengeschichte, Lebensstil und Therapiedauer ab. Eine fundierte Nutzen-Risiko-Abwägung mit einer Ärztin oder einem Arzt ist deshalb unverzichtbar.

Kann die Hormonersatztherapie eine Thrombose verursachen?

Orale Östrogenpräparate erhöhen das Risiko für venöse Thromboembolien (Blutgerinnsel) leicht. Dieser Effekt ist jedoch stark davon abhängig, wie die Hormone aufgenommen werden: Transdermale Östrogene, also Pflaster oder Gel, die direkt über die Haut wirken, umgehen die Leber und zeigen in Studien kein erhöhtes Thromboserisiko.

Frauen mit einem bereits erhöhten Thromboserisiko (zum Beispiel durch Übergewicht, Rauchen oder genetische Faktoren) sollten deshalb bevorzugt auf transdermale Präparate zurückgreifen. Für die meisten Frauen in den Wechseljahren ohne Vorerkrankungen gilt das Thromboserisiko bei sachgemäßer Therapie als gering.

Erhöht die HET das Herzerkrankungsrisiko?

Auch hier gilt: Der Zeitpunkt der Therapie macht den Unterschied. Wird die Hormonersatztherapie innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Menopause begonnen, kann sie das Herz-Kreislauf-System schützend beeinflussen, da Östrogen positive Effekte auf Gefäßwände und Cholesterinwerte hat. Wird sie jedoch deutlich später eingesetzt, kann das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse leicht steigen.

Aktuelle Empfehlungen von Fachgesellschaften wie der Deutschen Menopause Gesellschaft (DMG) und der International Menopause Society (IMS) betonen deshalb das sogenannte "Window of Opportunity": eine frühe Hormontherapie, zeitnah zur letzten Regelblutung, ist aus kardiologischer Sicht günstiger als ein später Therapiebeginn.

Verursacht die Hormontherapie Gewichtszunahme?

Ein weit verbreiteter Mythos. Klinische Studien zeigen, dass die Hormontherapie selbst keine signifikante Gewichtszunahme verursacht. Im Gegenteil: Da Östrogen den Stoffwechsel beeinflusst und Bauchfett teilweise reduziert, kann eine HET sogar einer hormonell bedingten Gewichtsverschiebung entgegenwirken.

Was Frauen häufig erleben, ist keine direkte Folge der Therapie, sondern ein hormonell bedingter Prozess in den Wechseljahren selbst: Die Körperfettverteilung verändert sich, Muskelmasse nimmt ab, der Grundumsatz sinkt. Diese Veränderungen beginnen oft bereits vor der HET. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung bleiben deshalb auch während der Hormontherapie wichtig.

Sind bioidentische Hormone nebenwirkungsärmer?

Bioidentische Hormone haben exakt die gleiche chemische Struktur wie die körpereigenen Hormone. Sie werden in der Regel aus pflanzlichen Quellen gewonnen und in regulierten Arzneimitteln (z. B. mikronisiertes Progesteron) oder individuell in Apotheken als sogenannte compounded hormones hergestellt.

Für regulierte bioidentische Präparate gibt es gut belegte Daten: Mikronisiertes Progesteron weist ein besseres Sicherheitsprofil für Brust und Herz-Kreislauf auf als synthetische Gestagene.

Für individuell zubereitete Präparate aus der Apotheke fehlen hingegen einheitliche Qualitätsstandards und Langzeitstudien. Das bedeutet nicht, dass sie schlecht sind, aber Du solltest wissen, dass ihre Sicherheit weniger gut dokumentiert ist als bei zugelassenen Arzneimitteln.

Was passiert, wenn Du die Hormontherapie abbrichst?

Das Absetzen der Hormontherapie kann dazu führen, dass Wechseljahresbeschwerden zurückkehren, vor allem Hitzewallungen, Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen. Wie stark diese Symptome sind, ist individuell sehr unterschiedlich. Viele Frauen vertragen einen langsamen, schrittweisen Ausstieg besser als ein abruptes Absetzen.
Es gibt keine medizinische Verpflichtung, die HET nach einem bestimmten Zeitraum zu beenden, wenn sie gut vertragen wird und der Nutzen die Risiken überwiegt. Aktuelle Leitlinien empfehlen eine jährliche Überprüfung gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Ist die Hormonersatztherapie sicher? Ein Fazit

Die Frage, ob HRT sicher ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, denn sie ist immer individuell. Was die Wissenschaft heute klar sagt: Für die meisten gesunden Frauen unter 60 Jahren, die zeitnah nach der Menopause mit der Therapie beginnen, überwiegen die Vorteile die Risiken deutlich. Die Risiken sind real, aber in aller Regel klein und beeinflussbar durch die Wahl des Präparats, den Verabreichungsweg und den richtigen Zeitpunkt.

Was bleibt, ist Deine persönliche Entscheidung, getroffen auf Basis vollständiger Information und im Gespräch mit einer kompetenten Ärztin oder einem Arzt. Kein Risikoprofil ist wie das andere, und kein Körper reagiert gleich. Deshalb ist eine individuelle medizinische Begleitung durch die Wechseljahre das Wichtigste, was Du Dir geben kannst.

Quellen:

Weiterlesen

Östrogen Pflaster. HET Präparate
Hitzewallungen Wechseljahre