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Du liest: Östrogen Pflaster, Gel oder Tablette: Welche Hormontherapie passt zu Dir?

Wenn Du Dich mit dem Thema Hormonersatztherapie beschäftigst, wirst Du schnell feststellen: Es gibt nicht die eine Therapie. Östrogen gibt es als Pflaster, Gel, Tablette oder Spray. Progesteron als Kapsel oder Vaginalgel. Und dann sind da noch bioidentische Hormone, Tibolon und die Frage, ob Frauen in den Wechseljahren auch Testosteron brauchen. Der Überblick kann schnell verloren gehen. Dieser Artikel sortiert die wichtigsten HRT-Formen für Dich, sachlich und wissenschaftlich fundiert.

Welche Östrogen-Pflaster gibt es und wie funktionieren sie?

Das Östrogen Pflaster, auch transdermales Pflaster genannt, wird direkt auf die Haut aufgeklebt, meist an Bauch, Oberschenkel oder Gesäß. Es gibt Wirkstoff kontinuierlich in die Blutbahn ab und muss je nach Produkt ein bis zweimal pro Woche gewechselt werden.

Der entscheidende Vorteil gegenüber oralen Präparaten: Das Pflaster umgeht die Leber. Östrogen, das in Tablettenform eingenommen wird, muss zunächst die Leber passieren, wo es teilweise abgebaut wird und bestimmte Gerinnungsfaktoren beeinflusst. Transdermales Östrogen gelangt dagegen direkt ins Blut, was das Thromboserisiko deutlich geringer hält. Mehrere große Studien, darunter die E3N-Kohortenstudie aus Frankreich, haben diesen Vorteil gut belegt.

Östrogen Pflaster eignen sich besonders gut für Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko, bei Migräne oder wenn orale Präparate nicht vertragen werden.

Welches Östrogen-Gel hilft in den Wechseljahren?

Östrogen Gel ist eine weitere transdermale Option, die viele Frauen als angenehmer empfinden als das Pflaster. Das Gel wird täglich auf Arm oder Oberschenkel aufgetragen und zieht schnell ein. Die Dosis lässt sich durch die Menge des aufgetragenen Gels flexibel anpassen, was ein wichtiger Vorteil für die individuelle Einstellung ist.
Wie das Pflaster umgeht auch das Gel den Leberkreislauf und hat damit ein günstiges Risikoprofil in Bezug auf Thrombosen und Herzerkrankungen. Wer empfindlich auf Pflasterkleber reagiert oder das tägliche Auftragen bevorzugt, ist mit dem Gel oft gut bedient.

Welche Östrogen-Tabletten gibt es in den Wechseljahren?

Östrogen Tabletten gehören zu den am längsten verwendeten HRT-Formen und sind gut erforscht. Sie werden einmal täglich eingenommen und sind in verschiedenen Dosierungen erhältlich. Ihr Nachteil liegt in der Leberpassage: Die orale Aufnahme beeinflusst bestimmte Blutgerinnungsfaktoren und erhöht dadurch das Risiko für venöse Thromboembolien im Vergleich zu transdermalen Präparaten leicht.

Für Frauen ohne erhöhtes Thromboserisiko und ohne Vorerkrankungen der Leber sind Östrogen Tabletten eine wirksame und gut verträgliche Option. Viele Frauen schätzen die einfache Handhabung und die verlässliche Dosierung.

Wie wirkt Progesteron in den Wechseljahren?

Progesteron ist neben Östrogen das zweite wichtige Hormon in der Wechseljahrstherapie, wenn Du noch eine Gebärmutter hast. Es schützt die Gebärmutterschleimhaut vor einer durch Östrogen bedingten Überstimulation und senkt damit das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs.

Mikronisiertes Progesteron, also bioidentisches Progesteron in Kapselform, gilt heute als bevorzugte Wahl. Es hat gegenüber synthetischen Gestagenen ein günstigeres Risikoprofil für Brust und Herz-Kreislauf und wird von vielen Frauen besser vertragen. Mikronisiertes Progesteron kann außerdem schlaffördernd wirken, was für Frauen mit Schlafstörungen in den Wechseljahren ein angenehmer Nebeneffekt ist.

Was sind bioidentische Hormone?

Bioidentische Hormone haben dieselbe chemische Struktur wie die Hormone, die Dein Körper selbst produziert. Sie werden meist aus pflanzlichen Rohstoffen, zum Beispiel Yamswurzel oder Soja, gewonnen und biochemisch so bearbeitet, dass sie Deinen körpereigenen Hormonen entsprechen.

Zugelassene bioidentische Präparate wie mikronisiertes Östradiol (in Pflastern, Gels oder Tabletten) und mikronisiertes Progesteron sind inzwischen Standard in der modernen Hormontherapie. Daneben gibt es individuell in Apotheken zubereitete Rezepturen, sogenannte Compounding-Präparate. Diese bieten zwar individuelle Dosierungsmöglichkeiten, unterliegen aber weniger strengen Qualitätskontrollen und sind wissenschaftlich weniger gut belegt.

Wann wird eine Kombinations-HRT aus Östrogen und Gestagen verschrieben?

Eine Kombinationstherapie aus Östrogen und einem Gestagen (synthetisch oder bioidentisch) ist für Frauen mit Gebärmutter die Standardtherapie, da Östrogen allein die Gebärmutterschleimhaut aufbauen würde. Die Kombination schützt davor.

Es gibt zwei Varianten:

  • Bei der sequenziellen Therapie werden Östrogen und Gestagen abwechselnd eingenommen, was in der Regel zu einer regelmäßigen Blutung führt, ähnlich einer Regelblutung.
  • Bei der kontinuierlichen Kombinationstherapie werden beide Hormone täglich zusammen eingenommen, was nach einer Anpassungsphase meist zu Blutungsfreiheit führt.

Welche Variante besser zu Dir passt, hängt von Deinen Beschwerden, Deinem Alter und Deinen Wünschen ab.

Brauchen Frauen in den Wechseljahren Testosteron?

Testosteron wird häufig als rein männliches Hormon wahrgenommen, aber auch Frauen produzieren es in kleinen Mengen, in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde. Mit den Wechseljahren sinkt auch der Testosteronspiegel, was sich in verminderter Libido, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsproblemen äußern kann.

In Deutschland ist Testosteron für Frauen nicht offiziell zugelassen, wird aber von einigen Spezialistinnen und Spezialisten im Off-Label-Use eingesetzt. Aktuelle Leitlinien der British Menopause Society erkennen Testosteron bei nachgewiesenem Mangel und sexueller Funktionsstörung als wirksame Behandlungsoption an. Die Datenlage zur Langzeitsicherheit ist noch nicht so umfangreich wie bei Östrogen, aber grundsätzlich ermutigend.

Was ist Tibolon und wann wird es eingesetzt?

Tibolon ist eine besondere Substanz in der Wechseljahrstherapie: Es handelt sich um ein synthetisches Steroidhormon, das östrogene, gestagene und leicht androgene Eigenschaften in sich vereint. Es muss nicht mit einem separaten Gestagen kombiniert werden und führt bei den meisten Frauen zu Blutungsfreiheit.

Tibolon wird häufig eingesetzt, wenn andere HRT-Formen nicht gut vertragen werden oder wenn der Fokus der Beschwerden auf Stimmung und Libido liegt. Da es kein bioidentisches Hormon ist und ein eigenes Wirkprofil hat, sollte die Entscheidung für Tibolon immer individuell und ärztlich begleitet getroffen werden.

Gibt es eine Hormontherapie ohne Östrogen?

Für Frauen, bei denen Östrogen aus medizinischen Gründen nicht geeignet ist, zum Beispiel nach bestimmten Brustkrebserkrankungen, gibt es alternative Ansätze. Dazu gehören selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder das Präparat Fezolinetant, das auf Hitzewallungen zielt, ohne das Hormonsystem direkt zu beeinflussen. Fezolinetant wurde 2023 in Europa zugelassen und gilt als vielversprechende Option für Frauen, die keine Hormontherapie erhalten können oder wollen.

Auch Progesteron allein kann in bestimmten Fällen eingesetzt werden, hat aber bei Hitzewallungen eine deutlich schwächere Wirkung als Östrogen. Eine individuelle Beratung ist hier besonders wichtig, denn keine der nicht-hormonellen Alternativen erreicht die Wirksamkeit einer vollständigen Hormontherapie.

Fazit: Die richtige HRT-Form ist so individuell wie Du

Ob Östrogen Pflaster, Gel, Tablette, bioidentische Hormone oder eine Kombinationstherapie, jede Form hat ihre Vorteile und ihre Einsatzbereiche. Die Entscheidung hängt von Deinen Beschwerden, Deiner Krankengeschichte, Deinem Risikoprofil und Deinen persönlichen Präferenzen ab. Was bei einer Freundin gut wirkt, muss für Dich nicht das Richtige sein.
Das Wichtigste: Du musst diese Entscheidung nicht alleine treffen. Eine informierte, offene Begleitung durch eine erfahrene Ärztin oder einen erfahrenen Arzt ist der beste Weg, um die für Dich passende Hormontherapie zu finden.

Quellen:

     

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