Migräne ist keine vorübergehende Kopfschmerz-Laune. Es ist eine neurologische Erkrankung, die ganze Lebensentwürfe biegt: verlorene Arbeitstage, abgesagte Termine, ausgefallene Geburtstage und das stille Wissen vieler Betroffener, dass die nächste Attacke kommt, ohne dass man weiß, wann. Frauen tragen die Hauptlast dieser Erkrankung – ungefähr dreimal so viele Frauen wie Männer leben in Deutschland mit Migräne, und für viele ist sie eng mit dem Zyklus, mit hormonellen Lebensphasen und mit einer langen Liste teils enttäuschender Therapieversuche verbunden. Aus dieser Erfahrung heraus suchen immer mehr Frauen nach Optionen jenseits des etablierten Repertoires – und stoßen dabei zunehmend auf die Frage nach medizinischem Cannabis.
Dieser Artikel ordnet das gesamte Spektrum ein: Was Migräne bei Frauen ausmacht, welche Formen besonders relevant sind, was die etablierten Therapien tatsächlich leisten – auch die neueren Substanzgruppen, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind – und an welcher Stelle eine Cannabinoid-Diskussion medizinisch sinnvoll geführt werden kann. Vorab eine ehrliche Einordnung: Medizinisches Cannabis ist in Deutschland kein primär zugelassenes Migränemedikament und in der aktuellen Leitlinie nicht als Therapieoption empfohlen. Seit der Cannabis-Legalisierung im Frühjahr 2024 ist eine Verordnung auf Privatrezept zwar entbürokratisiert worden; eine reguläre Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung setzt jedoch weiterhin eine schwere, therapierefraktäre Erkrankung voraus, bei der die etablierten Leitlinien-Therapien – von Triptanen über die klassischen Prophylaktika bis zu den CGRP-gerichteten Substanzen – versagt haben oder nicht vertragen wurden.
Warum Migräne so oft eine Frauen-Geschichte ist
Die epidemiologischen Daten sind eindeutig: In Deutschland sind etwa 15–18 % aller Frauen von Migräne betroffen, gegenüber rund 6–8 % der Männer. Diese Differenz beginnt mit der ersten Regelblutung – in der Kindheit ist die Migräne-Prävalenz noch ähnlich verteilt, mit der Pubertät und dem Anstieg der weiblichen Sexualhormone klafft sie auseinander. Verantwortlich dafür ist nicht ein einzelner Faktor, sondern das fein abgestimmte Zusammenspiel von Östrogen, Trigeminusaktivität und Serotonin-Stoffwechsel. Vor allem der abrupte Östrogenabfall in der späten Lutealphase, kurz vor der Menstruation, gilt als einer der stärksten hormonellen Migräne-Trigger überhaupt.
Was die Versorgungslage dazu sagt, ist allerdings genauso typisch wie die Erkrankung selbst: Migräne wird bei Frauen häufiger als „Stress" oder „Verspannungskopfschmerz" abgetan, eine genaue Klassifikation der Migräne-Form unterbleibt oft, und die Therapie wird selten an die hormonelle Dimension angepasst. Das ist einer der Gründe, warum so viele Frauen das Gefühl mitbringen, schon vieles probiert zu haben, ohne den Eindruck zu haben, dass ihre Migräne ernst genommen worden wäre.
Das volle Spektrum: Welche Migräneformen Frauen besonders betreffen
Migräne ist keine einzelne Krankheit, sondern eine Familie. Für die Therapie macht es einen erheblichen Unterschied, mit welcher Form man es zu tun hat.
Bei der Migräne ohne Aura treten die typischen pulsierend-pochenden, häufig einseitigen Kopfschmerzen mit Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit auf, die Stunden bis Tage anhalten können. Diese Form ist die häufigste. Bei der Migräne mit Aura kommen vor oder zu Beginn der Kopfschmerzphase reversible neurologische Symptome hinzu – meist Sehstörungen, seltener Sensibilitäts- oder Sprachstörungen. Die Aura ist klinisch besonders relevant, weil sie mit einem leicht erhöhten Risiko für vaskuläre Ereignisse verbunden ist und bestimmte Wechselwirkungen – etwa mit kombinierter hormoneller Verhütung – nach sich zieht.
Die menstruelle Migräne ist im engeren Sinn dann gegeben, wenn Attacken ausschließlich in einem schmalen Zeitfenster rund um die Menstruation auftreten (etwa zwei Tage davor bis drei Tage danach); im weiteren Sinn liegt eine menstruationsassoziierte Migräne vor, wenn Attacken in dieser Phase besonders häufig oder besonders schwer sind, aber auch zu anderen Zykluszeitpunkten vorkommen. Beide Varianten sprechen häufig schlechter auf Standardakutmedikation an, dauern länger und sind in der Lebensführung besonders belastend, weil sie planbar und unabwendbar wirken.
Die chronische Migräne ist definiert als Kopfschmerzen an mindestens fünfzehn Tagen pro Monat über mehr als drei Monate, davon an mindestens acht Tagen mit Migränecharakter. Sie ist nicht „nur viel Migräne", sondern eine eigenständige, in der Versorgung deutlich anders zu behandelnde Form mit hoher Beeinträchtigung der Lebensqualität.
Die vestibuläre Migräne äußert sich zusätzlich oder primär durch Schwindel, mit oder ohne Kopfschmerz – sie ist eine der häufigsten Schwindelursachen bei Frauen und wird oft erst spät richtig zugeordnet. Die Schwangerschaftsmigräne verläuft individuell sehr unterschiedlich: Bei vielen Frauen verbessert sich die Migräne ab dem zweiten Trimester deutlich, bei anderen verschlechtert sie sich. Therapeutisch ist hier ein besonders enges Spielfeld, und Cannabis ist in dieser Lebensphase grundsätzlich nicht angezeigt. Mit der Perimenopause und Menopause wiederum kommt für viele Frauen eine Phase massiver Schwankungen: Häufig nimmt die Migräne in dieser Übergangsphase zu, bevor sie in der späten Postmenopause bei einem Teil der Betroffenen wieder zurückgeht.
Wann eine Migräne behandlungsbedürftig ist
Bereits eine einzelne, klar als Migräne erkennbare Attacke verdient eine wirksame Akuttherapie. Eine Prophylaxe – also eine durchgehende, vorbeugende Behandlung – wird laut Leitlinie in der Regel dann empfohlen, wenn Migräne an mehr als drei Tagen pro Monat auftritt, wenn die Attacken besonders schwer, langdauernd oder mit ausgeprägten neurologischen Begleitsymptomen einhergehen, oder wenn die Akuttherapie nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird. Der Übergang von episodischer zu chronischer Migräne ist ein wichtiger Indikator dafür, dass die bisherige Therapie nicht ausreicht – und dass eine intensivere Strategie nötig ist.
Was Standardtherapien tatsächlich leisten – auch die neueren
Die aktualisierte deutsche S1-Leitlinie zur Migränetherapie von DGN und DMKG (Stand September 2025) hat das therapeutische Spektrum gegenüber älteren Versionen deutlich erweitert – mehrere neue Substanzklassen sind hinzugekommen, und einige Empfehlungen wurden differenziert.
In der Akuttherapie stehen weiterhin Triptane an vorderster Stelle; die Leitlinie hebt insbesondere Eletriptan, Rizatriptan und Sumatriptan als wirksamste orale Akutsubstanzen hervor. Sumatriptan subkutan gilt unverändert als die schnellst- und stärkstwirksame Akuttherapie überhaupt. Daneben kommen klassische NSAR (Ibuprofen, Naproxen, ASS in höherer Einzeldosis) und Antiemetika zum Einsatz. Wer Triptane wegen kardiovaskulärer Vorerkrankungen nicht nehmen darf oder schlecht verträgt, hat seit kurzem zwei neue orale Optionen: Lasmiditan (Ditan-Klasse, in Deutschland seit 2023 verfügbar) und Rimegepant (Gepant-Klasse). Beide wirken nicht gefäßverengend und sind damit für Patientinnen mit Herz-Kreislauf-Risiko besonders interessant.
In der medikamentösen Prophylaxe unterscheidet die Leitlinie zwischen klassischen und neueren Substanzen. Zu den klassischen Prophylaktika zählen Betablocker (Metoprolol, Propranolol), Topiramat, Amitriptylin, Flunarizin und in bestimmten Konstellationen Valproat (bei Frauen im gebärfähigen Alter ausdrücklich nur unter besonderen Schutzmaßnahmen). Diese Substanzen sind gut etabliert, aber für viele Patientinnen mit relevanten Nebenwirkungen verbunden – Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, kognitive Verlangsamung, depressive Verstimmungen oder sexuelle Funktionsstörungen sind häufige Abbruchgründe.
Die größte Veränderung der letzten Jahre liegt in den CGRP-gerichteten Therapien. Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor (Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab) werden als Spritze oder Infusion einmal monatlich oder vierteljährlich verabreicht; sie zeichnen sich durch eine hohe Wirksamkeit bei vergleichsweise wenigen Nebenwirkungen aus und werden im direkten Vergleich von vielen Patientinnen besser vertragen als klassische Prophylaktika wie Topiramat. Wer keine Spritzen möchte oder bekommen kann, hat seit kurzem auch eine orale Alternative aus derselben Wirkstofffamilie: Die CGRP-Rezeptorantagonisten (Gepante) sind als Tablette verfügbar. Atogepant (1 × 60 mg täglich) ist laut der aktualisierten Leitlinie sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne wirksam und zeigt eine besondere klinische Stärke darin, auch bei Patientinnen mit gleichzeitig bestehendem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu helfen. Rimegepant besetzt eine Doppelrolle: Es ist sowohl zur Akuttherapie als auch zur Prophylaxe der episodischen Migräne zugelassen, was eine flexible Anwendungsform ermöglicht. Die Kostenübernahme dieser modernen Substanzklassen durch die gesetzliche Krankenversicherung ist in Deutschland an Voraussetzungen geknüpft, insbesondere ein vorheriges Versagen oder Nichtvertragen klassischer Prophylaktika.
Bei chronischer Migräne steht außerdem Botulinumtoxin Typ A zur Verfügung, das in einem festen Injektionsschema verabreicht wird und für einen Teil der Patientinnen eine spürbare Reduktion der Kopfschmerztage bringt. Ergänzend werden in der Leitlinie nicht-medikamentöse Verfahren empfohlen: Entspannungsverfahren, Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapie für chronische Schmerzen, regelmäßige Ausdaueraktivität und ein konsequentes Triggermanagement. Auch nicht-invasive Neurostimulationsverfahren haben mittlerweile Einzug in die Leitlinie gefunden.
Für die menstruelle Migräne kommen außerdem hormonelle Strategien in Betracht – etwa eine Anpassung der hormonellen Verhütung, eine durchgehende Einnahme der Antibabypille ohne Pillenpause oder, in bestimmten Konstellationen der Perimenopause, eine sorgfältig dosierte transdermale Östrogentherapie. Eine Migräne mit Aura ist allerdings eine Kontraindikation für die klassische kombinierte hormonelle Verhütung, was die hormonellen Optionen einschränkt.
So eindrücklich die Liste ist: In der Versorgungsrealität haben viele Frauen das Gefühl, dass entweder die Wirkung unzureichend ist, die Nebenwirkungen den Alltag erschweren, oder die Kostenübernahme der modernen Substanzklassen Hürden setzt. Genau in dieser Lücke taucht das Thema medizinisches Cannabis zunehmend auf.
Wo medizinisches Cannabis ins Spiel kommt – und wo nicht
Wichtig vorweg: Medizinisches Cannabis ist in Deutschland kein zugelassenes Migränemedikament, und die aktuelle Leitlinie führt Cannabinoide nicht als Therapieoption auf. Rechtlich ist hier zwischen zwei Ebenen zu unterscheiden, die in der öffentlichen Diskussion gerne vermengt werden: Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung nach § 31 Abs. 6 SGB V setzt eine schwerwiegende Erkrankung sowie das Versagen leitliniengerechter Alternativen voraus – bei einer chronischen, hochbelastenden, mit etablierten Therapien nicht ausreichend kontrollierten Migräne ist diese Schwelle prinzipiell erreichbar, im Einzelfall aber an dokumentierte Therapieverläufe gebunden. Seit der Cannabis-Gesetzgebung von 2024, mit der medizinisches Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz herausgenommen wurde, ist eine private Verordnung formal niedrigschwelliger geworden. Die medizinische Hürde – also die Frage, ob die Therapie indikationsgerecht ist – bleibt davon unberührt.
In der Praxis taucht Cannabis bei Migräne typischerweise in drei Konstellationen auf. Erstens als add-on-Therapie bei chronischer, therapierefraktärer Migräne, wenn Triptane, mehrere klassische Prophylaktika und – wo verfügbar – CGRP-Antikörper nicht ausreichend gewirkt haben oder nicht vertragen wurden. Zweitens als sekundärer Therapieeffekt, wenn eine Cannabinoid-Therapie aus einer anderen Indikation heraus erfolgt – etwa bei chronischen Schmerzen, schwerer Endometriose oder einer relevanten Begleit-Schlafstörung – und die Migränebelastung sich dabei mitverändert. Drittens in spezialisierten Schmerzzentren, in denen Cannabinoide als Teil eines multimodalen Konzepts eingesetzt werden. In keiner dieser Konstellationen ist Cannabis ein „Schnellweg" oder ein Ersatz für eine sorgfältige Migränediagnostik.
Was die Studienlage zu Cannabis und Migräne wirklich zeigt
Die Datenlage zu Cannabis bei Migräne ist umfangreicher als bei manch anderer Indikation – allerdings stammt sie fast ausschließlich aus Beobachtungs- und Registerstudien, nicht aus großen randomisiert-kontrollierten Studien.
Die viel zitierte Untersuchung von Cuttler und Kolleg:innen (2020) wertete die anonymisierten Daten einer Cannabis-Tracking-App aus und umfasste 7.441 Sitzungen zur Migränebehandlung und 12.293 Sitzungen zur Kopfschmerzbehandlung. Die Patientinnen und Patienten berichteten nach Cannabis-Anwendung über eine Reduktion der Migräne-Schwere um rund die Hälfte, mit einem etwas größeren Effekt bei Männern als bei Frauen. Bemerkenswert: Die Autor:innen fanden in dieser Stichprobe keine Hinweise auf einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz durch Cannabis – ein Befund, der allerdings durch das Studiendesign (Selbsteinschätzung, ausgewählte App-Nutzer:innen) seine Grenzen hat. Hinweise auf eine Toleranzentwicklung mit der Zeit zeigten sich dagegen klar.
Eine israelische Querschnittsstudie an 145 Migränepatient:innen mit langjähriger medizinischer Cannabis-Therapie (Aviram et al., 2020) berichtete über eine durchschnittliche Reduktion der Migränefrequenz und einen niedrigeren Verbrauch an Triptanen und Opioiden. Eine aktuelle Auswertung des UK Medical Cannabis Registry (Hooper et al., 2026) mit 24-monatigem Follow-up zeigte über lange Zeit verbesserte Werte in standardisierten Migräne-Fragebögen (HIT-6, MIDAS), allerdings mit einem leichten Abwärtstrend in der Wirkstärke über die Zeit, was wiederum als möglicher Hinweis auf Toleranz interpretiert wird.
Diese Daten sind in Summe vielversprechend, aber keine harte Evidenz: Es fehlen die großen, placebokontrollierten Studien, die für eine Aufnahme in Leitlinien erforderlich wären. Eine ehrliche Zusammenfassung lautet deshalb: Cannabinoide könnten bei einem Teil der Patientinnen mit chronischer, schwer behandelbarer Migräne eine Reduktion der Anfallshäufigkeit oder -intensität bewirken – das deuten mehrere unabhängige Beobachtungsdatensätze an. Als Ersatz für eine sorgfältige leitliniengerechte Therapie sind sie damit aber nicht legitimiert.
THC, CBD und der Endocannabinoid-Bezug zur Migräne
In der Forschung wird seit Jahren die Hypothese einer „endocannabinoiden Dysregulation" bei Migräne diskutiert – also die Idee, dass das körpereigene Endocannabinoid-System bei Migränepatient:innen verändert reguliert sein könnte. Diese Hypothese ist biologisch plausibel und durch einige Laborbefunde gestützt, klinisch aber noch nicht in eine konkrete Therapieempfehlung übersetzbar.
Praktisch zeigt die klinische Erfahrung, dass häufig niedrigere THC-Dosen in Kombination mit CBD bevorzugt eingesetzt werden, weil hohe THC-Dosen bei einem Teil der Patientinnen paradox Kopfschmerzen und Übelkeit verstärken können – also genau die Symptome, die behandelt werden sollen. CBD wirkt nicht berauschend und wird unter anderem auf seine entzündungsmodulierenden und anxiolytischen Eigenschaften hin untersucht; eine spezifische, belastbare Anti-Migräne-Wirkung von CBD-Monopräparaten ist allerdings nicht gut belegt.
Darreichungsformen: Akut versus Prophylaxe
Bei Migräne kommt der Darreichungsform eine besondere Bedeutung zu, weil sich akute Attacken und prophylaktische Therapieziele grundsätzlich unterscheiden. Inhalative Anwendungen über einen Vaporizer wirken innerhalb weniger Minuten und halten ein bis drei Stunden an – ein Profil, das prinzipiell zur Behandlung einer akuten Attacke passen würde. Allerdings ist gerade während einer schweren Migräneattacke mit Übelkeit und Erbrechen die Inhalation für viele Patientinnen schwer durchführbar.
Orale Darreichungsformen wie Tinkturen, Öle oder Kapseln setzen ihre Wirkung deutlich langsamer um, in der Regel nach dreißig bis neunzig Minuten, halten dafür mehrere Stunden an und eignen sich eher für einen prophylaktischen oder begleitenden Einsatz, weniger für die akute Schmerzunterbrechung. Welche Form medizinisch sinnvoll ist und in welcher Dosis sie eingesetzt werden könnte, ist Teil einer sorgfältigen ärztlichen Therapieplanung – keine Frage, die sich aus einem Artikel ableiten lässt.
Was Frauen besonders im Blick haben sollten
Bei Migräne ergeben sich aus der hormonellen Komponente mehrere frauenspezifische Punkte. Die menstruelle Migräne spricht häufig schlechter auf Standardakutmedikation an als andere Migräneformen; hier ist eine spezifische Strategie sinnvoll, die auch hormonelle Optionen mitdenkt. Bei Migräne mit Aura sind kombinierte hormonelle Kontrazeptiva grundsätzlich kontraindiziert, weil sie das Schlaganfallrisiko erhöhen können – das schränkt die Optionen ein und macht eine sorgfältige Beratung umso wichtiger.
In Schwangerschaft und Stillzeit wird medizinisches Cannabis grundsätzlich nicht eingesetzt. In der Perimenopause verstärkt sich die Migräne bei vielen Frauen vorübergehend, gerade in Phasen besonders starker hormoneller Schwankungen; hier sind angepasste Therapiekonzepte notwendig, die auch nicht-medikamentöse Maßnahmen einbeziehen. Schließlich verdienen Wechselwirkungen Aufmerksamkeit: Cannabinoide können den Stoffwechsel anderer Medikamente beeinflussen, darunter Triptane (über CYP3A4), bestimmte Antidepressiva, hormonelle Verhütung und Hormonersatzpräparate – diese Wechselwirkungen müssen vor Therapiebeginn ärztlich geprüft werden.
Nebenwirkungen und Risiken – speziell mit Blick auf Migräne
Wer eine Cannabinoid-Therapie bei Migräne in Erwägung zieht, sollte mehrere migränespezifische Risiken realistisch einkalkulieren. Erstens: Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK) ist eine reale Gefahr bei jeder zu häufig angewendeten Akut-Schmerzmedikation. Auch wenn die Cuttler-Studie für Cannabis keinen MÜK-Effekt fand, ist diese Frage in der Literatur nicht abschließend geklärt; eine unkritische, häufige Anwendung kann zur Chronifizierung beitragen. Zweitens: Bei längerer Anwendung kommt es zu einer Toleranzentwicklung, die Dosis steigt, der Effekt nimmt ab. Drittens: Hohe THC-Dosen können Kopfschmerzen und Übelkeit paradox verstärken – also genau die Beschwerden auslösen, die gelindert werden sollen. Viertens: Beim Absetzen nach längerer Anwendung kann es zu Entzugskopfschmerzen und einer vorübergehenden Verschlechterung kommen. Und schließlich gehören die psychotropen Effekte ehrlich auf die Liste – gerade Patientinnen ohne Cannabis-Erfahrung erleben in der Eindosierungsphase nicht selten Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder eine ungewohnte Stimmungslage, die in Beruf und Alltag relevant sein können.
Der Weg zu einer Therapie
Der wichtigste Schritt bei wiederkehrender Migräne ist nicht die Suche nach dem richtigen Mittel, sondern eine sorgfältige neurologische Abklärung – idealerweise in einer Kopfschmerzsprechstunde oder bei einer auf Migräne spezialisierten Praxis. Ein Kopfschmerztagebuch über mehrere Wochen ist dabei meist die Basis: Es macht Frequenz, Trigger, Begleitsymptome, Wirkung der Akutmedikation und hormonelle Muster sichtbar. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob die Akuttherapie optimiert werden sollte, ob eine medikamentöse oder nicht-medikamentöse Prophylaxe sinnvoll ist und – bei chronischer Migräne – welche der neueren Substanzklassen oder welche Kombinationsstrategie in Frage kommt.
Eine Cannabinoid-Therapie kommt erst dann in den Blick, wenn die etablierten Optionen ausgeschöpft, nicht vertragen oder im Einzelfall kontraindiziert sind. Sie ist auch dann keine Standardlösung, sondern eine individuelle Entscheidung, die in einer auf Cannabinoid-Therapie erfahrenen Praxis gestellt wird, mit klarer Indikation, sorgfältiger Dosis-Einstellung und ehrlicher Verlaufskontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Hilft Cannabis bei Migräne?
Mehrere Beobachtungs- und Registerstudien deuten an, dass Cannabinoide bei einem Teil der Patient:innen mit chronischer Migräne die Anfallsschwere oder -häufigkeit reduzieren könnten. Hochwertige randomisiert-kontrollierte Studien fehlen jedoch weitgehend, und in nationalen wie internationalen Migräne-Leitlinien ist Cannabis derzeit nicht als empfohlene Therapie geführt.
Was ist mit menstrueller Migräne?
Die menstruelle Migräne hat ihre eigene Therapielogik, in der hormonelle Strategien, eine spezifische Akut- und manchmal eine Kurzzeitprophylaxe um die Menstruation herum die zentrale Rolle spielen. Cannabinoide gehören hier nicht zum etablierten Repertoire. Wer das Gefühl hat, dass die menstruelle Komponente ihrer Migräne nicht gut behandelt wird, sollte gezielt eine gynäkologische und/oder kopfschmerzmedizinische Beratung suchen, statt nach einer Substanz Ausschau zu halten, die alle Migräneformen gleichermaßen abdecken soll.
Kann ich Cannabis statt Triptanen nehmen?
Triptane sind die am besten untersuchten und in der Regel wirksamsten Akutmedikamente bei Migräne. Ein Verzicht auf Triptane zugunsten von Cannabis ist medizinisch nicht begründbar. Wenn Triptane bei dir nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, gibt es seit einigen Jahren zwei neue Optionen – Lasmiditan und Rimegepant –, die in solchen Fällen sinnvoll erwogen werden können. Ein Gespräch mit einer Neurologin oder einem Neurologen ist hier der richtige nächste Schritt.
Hilft CBD-Öl aus der Drogerie gegen Migräne?
Frei verkäufliche CBD-Produkte sind keine Arzneimittel und unterliegen nicht denselben Qualitäts- und Wirksamkeitsanforderungen wie ärztlich verordnete Präparate. Eine belastbare migräne-spezifische Wirkung von CBD-Monopräparaten ist nicht gut belegt; die Wirkstoffgehalte schwanken zwischen Produkten erheblich.
Was ist mit Migräne in den Wechseljahren?
Viele Frauen berichten von einer Verstärkung der Migräne in der Perimenopause. Therapeutisch sind hier individuell angepasste Strategien sinnvoll – mit Triggermanagement, optimierter Akut- und Prophylaxetherapie, ggf. einer transdermalen Östrogenoption nach gynäkologischer Beratung und nicht-medikamentösen Verfahren. Cannabis kann in dieser Phase bei sehr schwer therapierbaren Verläufen eine Rolle spielen, ist aber nicht die erste Wahl.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er beschreibt, was in der medizinischen Forschung und der ärztlichen Praxis zum Thema Migräne und Cannabinoide diskutiert wird; er macht keine Heilversprechen und keine Therapieempfehlung für deinen individuellen Fall.
Ob eine Cannabinoid-Therapie für dich infrage kommt, entscheidet ausschließlich eine Ärztin im Rahmen einer medizinischen Anamnese.
Wenn deine Migräne dich seit Jahren begleitet und du das Gefühl hast, dass die bisherigen Versuche nicht ausreichen, ist eine spezialisierte Kopfschmerzsprechstunde der wichtigste nächste Schritt. Migräne gehört nicht zum normalen Lebensgepäck einer Frau, und sie ist heute mit deutlich mehr Optionen behandelbar als noch vor zehn Jahren.
Quellen und weiterführende Informationen
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Diener HC, Förderreuther S, Kropp P, Reuter U et al. Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Stand 05.09.2025. AWMF-Registernummer 030-057. register.awmf.org
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Cuttler C, Spradlin A, Cleveland MJ, Craft RM. Short- and Long-Term Effects of Cannabis on Headache and Migraine. The Journal of Pain 2020;21(5-6):722–730. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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Aviram J, Vysotski Y, Berman P, Lewitus GM, Eisenberg E, Meiri D. Migraine Frequency Decrease Following Prolonged Medical Cannabis Treatment: A Cross-Sectional Study. Brain Sciences 2020;10(6):360. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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Hooper J, Erridge S, Sodergren MH et al. UK Medical Cannabis Registry: A Clinical Outcomes Analysis for Migraine. Brain and Behavior 2026. onlinelibrary.wiley.com
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Häuser W, Petzke F. Cannabis-Arzneimittel in der Schmerzmedizin. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2019. bfarm.de
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Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Cannabis als Medizin – Informationen für Ärztinnen, Ärzte und Patient:innen. bfarm.de
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§ 31 Abs. 6 SGB V – Sozialgesetzbuch Fünftes Buch: Anspruch auf Versorgung mit Cannabis-Arzneimitteln. gesetze-im-internet.de
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). FAQ zur Verordnung von medizinischem Cannabis. g-ba.de

















