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Du liest: Minipille im Vergleich: Wirkstoffe, Nebenwirkungen und Entscheidungshilfe

Die Minipille gehört zu den meistverwendeten hormonellen Verhütungsmitteln und wird dabei häufig als einheitliche Kategorie wahrgenommen. Tatsächlich unterscheiden sich die verfügbaren Präparate jedoch in Wirkstoff, Wirkmechanismus, Einnahmefenster und Nebenwirkungsprofil erheblich.

Dieser Artikel gibt einen vollständigen Überblick über die gängigen Minipillen im deutschsprachigen Markt, erklärt die Unterschiede zwischen den Wirkstoffen und listet mögliche Nebenwirkungen neutral und vollständig auf Basis der Fachinformationen auf.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die individuelle Eignung eines Präparats wird von der Ärztin oder dem Arzt auf Basis einer persönlichen Anamnese beurteilt. Nebenwirkungsangaben basieren auf den offiziellen Fachinformationen der Hersteller.

Was ist die Minipille und wie unterscheidet sie sich von der Kombinationspille?

Die Minipille ist eine östrogenfreie hormonelle Verhütungspille, die ausschließlich ein Gestagen enthält. Im Unterschied zur Kombinationspille, die Östrogen und Gestagen kombiniert, wirkt die Minipille primär über folgende Mechanismen:

  • Verdickung des Zervixschleims, sodass Spermien die Gebärmutter schwerer erreichen können
  • Veränderung der Gebärmutterschleimhaut, die eine Einnistung erschwert
  • Bei Desogestrel-Minipillen zusätzlich: zuverlässige Hemmung des Eisprungs in ca. 97 % der Zyklen

Die Minipille enthält kein Östrogen. Das macht sie geeignet für Frauen, bei denen östrogenhaltige Präparate kontraindiziert sind, etwa in der Stillzeit, bei Migräne mit Aura oder bei erhöhtem Thromboserisiko.

Wichtig: Auch die Minipille ist verschreibungspflichtig. Kontraindikationen und Wechselwirkungen müssen ärztlich abgeklärt werden.

Welche Minipillen gibt es? Wirkstoff-Übersicht

Im deutschsprachigen Markt sind derzeit Minipillen mit drei verschiedenen Wirkstoffen verfügbar: Levonorgestrel, Desogestrel und Drospirenon. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Präparate:

Präparat

Wirkstoff

Dosis

Einnahmefenster

Anwendungsprofil

Cerazette

Desogestrel

75 µg

12 Stunden

Weit verbreitet, unterdrückt Eisprung

Desirett

Desogestrel

75 µg

12 Stunden

Generikum von Cerazette, wirkstoffidentisch

Jubrele

Desogestrel

75 µg

12 Stunden

Weiteres Desogestrel-Generikum

Slinda

Drospirenon

4 mg

24 Stunden

Längtes Einnahmefenster, antiandrogen

28 Mini 0.030mg

Levonorgestrel

30 µg

3 Stunden

Klassische Minipille, enges Einnahmefenster

Alle aufgeführten Präparate werden täglich ohne Pause eingenommen. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal im Alltag ist das Einnahmefenster, also die maximale Verzögerung der Einnahme, die den Verhütungsschutz nicht gefährdet.

Minipille Levonorgestrel oder Desogestrel: Welcher Wirkstoff passt besser zu mir?

Die Wahl zwischen Levonorgestrel und Desogestrel ist eine der häufigsten Fragen rund um die Minipille. Beide Wirkstoffe sind Gestagene, unterscheiden sich aber in mehreren Punkten:

Merkmal

Levonorgestrel

Desogestrel

Dosis (Minipille)

30 µg

75 µg

Einnahmefenster

3 Stunden

12 Stunden

Eisprung-Hemmung

Nicht zuverlässig (primär Schleimhaut-Wirkung)

Zuverlässig in ca. 97 % der Zyklen

Pearl-Index

0,5–3,0

0,14 (bei perfekter Einnahme)

Eignung Stillzeit

Ja

Ja

Thromboserisiko

Gilt als gering (keine Östrogenkomponente)

Gilt als gering (keine Östrogenkomponente)

Antiandrogene Wirkung

Keine

Keine (anders als Drospirenon)

Einnahmefenster: Der entscheidende Alltagsunterschied

Das Einnahmefenster gibt an, wie spät die Pille maximal eingenommen werden darf, ohne dass der Verhütungsschutz verloren geht. Bei Levonorgestrel beträgt dieses Fenster nur 3 Stunden. Die Einnahme muss täglich zur annähernd gleichen Uhrzeit erfolgen. Bei Desogestrel sind es 12 Stunden, was im Alltag deutlich mehr Flexibilität bietet.

Eisprung-Hemmung: Ein wesentlicher Unterschied

Levonorgestrel-Minipillen hemmen den Eisprung nicht zuverlässig. Ihre Wirkung beruht hauptsächlich auf der Schleimhautveränderung. Desogestrel hemmt den Eisprung in ca. 97 % der Zyklen, was dem Wirkprinzip einer Kombinationspille näher kommt. Slinda (Drospirenon) hemmt den Eisprung ebenfalls zuverlässig.

Desirett vs. Cerazette - Generikum oder Original?

Desirett und Cerazette sind die am häufigsten verglichenen Minipillen-Paare. Der Grund: Desirett ist, wie auch Jubrele, das Generikum von Cerazette, d.h. beide enthalten denselben Wirkstoff in identischer Dosierung.

Merkmal

Desirett

Cerazette

Wirkstoff

Desogestrel 75 µg

Desogestrel 75 µg

Einnahmefenster

12 Stunden

12 Stunden

Einnahmeschema

28 Tage durchgehend

28 Tage durchgehend

Zulassung

EU-weit zugelassen

EU-weit zugelassen

Preisklasse

Generikum (günstiger)

Originalprodukt

Unterschied

Wirkstoffidentisch mit Cerazette – gleiche Zusammensetzung, anderer Hersteller


  • Desirett Jubrele, Cerazette. Wirkstoff (Desogestrel 75 µg), Dosis und Einnahmeschema sind bei allen drei Präparaten identisch. Es gibt keinen pharmakologischen Unterschied.
  • Da alle Präparate wirkstoffidentisch sind, gelten für sie dieselben Wirksamkeits- und Nebenwirkungsangaben aus den jeweiligen Fachinformationen.
  • Der Unterschied liegt im Hersteller und in der Regel im Preis. Welches Präparat verschrieben oder abgegeben wird, hängt von der Apotheke und der ärztlichen Verordnung ab.

Minipille Einnahmefenster im Vergleich

Das Einnahmefenster ist im Alltag einer der praktisch relevantesten Unterschiede zwischen den Minipillen. Die folgende Tabelle fasst die drei verfügbaren Wirkstoffe zusammen:

Wirkstoff

Präparate (Beispiele)

Einnahmefenster

Hinweis

Levonorgestrel

Microlut

3 Stunden

Engstes Fenster, tägliche Einnahme zur gleichen Uhrzeit wichtig

Desogestrel

Cerazette, Desirett, Jubrele

12 Stunden

Flexibleres Fenster, Einnahme kann täglich um bis zu 12 Stunden variieren

Drospirenon

Slinda

24 Stunden

Längstes Fenster, eine vergessene Tablette gefährdet den Schutz weniger schnell

Bei allen Minipillen gilt: Wird die Pille außerhalb des Einnahmefensters genommen, muss für 48 Stunden eine zusätzliche Verhütungsmethode verwendet werden. Die genauen Angaben finden sich in der jeweiligen Packungsbeilage.

Minipille Nebenwirkungen: Übersicht

Mögliche Nebenwirkungen der Minipille sind in den Fachinformationen der Hersteller vollständig aufgeführt. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die am häufigsten genannten Effekte:

Mögliche Nebenwirkung

Hintergrund

Häufigkeit (Packungsbeilage)

Unregelmäßige Blutungen

Häufigstes Anpassungsphänomen; Zwischenblutungen, verlängerte oder ausbleibende Blutung möglich

Sehr häufig (≥ 1/10)

Stimmungsveränderungen / depressive Verstimmung

Gestagen kann die Stimmung beeinflussen; individuelle Reaktion variiert stark

Häufig (≥ 1/100)

Gewichtsveränderung*

Wird berichtet; ein direkter kausaler Zusammenhang ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt

Häufig (≥ 1/100)

Akne / Hautveränderungen

Gestagenabhängig; Desogestrel und Drospirenon haben unterschiedliche Androgenprofile

Häufig (≥ 1/100)

Verminderte Libido

Hormonelle Verhütung kann das sexuelle Empfinden beeinflussen

Häufig (≥ 1/100)

Kopfschmerzen

Häufig berichtet, besonders in der Eingewöhnungsphase

Häufig (≥ 1/100)

Ovarialzysten

Funktionelle Zysten möglich, da kein vollständiger Eisprungstopp (bei Levonorgestrel-Minipille)

Gelegentlich (≥ 1/1000)

Brustspannen

Gestagenbedingte Veränderung des Brustgewebes

Häufig (≥ 1/100)

*Die meisten randomisierten kontrollierten Studien finden keinen signifikanten Unterschied im Körpergewicht zwischen Frauen, die hormonelle Verhütung nutzen, und Frauen ohne hormonelle Verhütung. 
Was die Forschung zeigt:

  • Gewichtsveränderungen werden von Patientinnen häufig berichtet und sind subjektiv real erlebt
  • In klinischen Studien lässt sich ein kausaler Zusammenhang jedoch nicht konsistent nachweisen
  • Die Fachinformation von Cerazette/Desirett listet Gewichtsveränderung unter „häufige Nebenwirkungen" (≥ 1/100), das bedeutet, sie wird berichtet, nicht dass sie pharmakologisch belegt verursacht wird.
  • Eine Cochrane-Analyse (2014, aktualisiert 2020) zu Progesteron-only-Pillen fand keine ausreichende Evidenz für einen kausalen Zusammenhang mit Gewichtszunahme.
  • Die Häufigkeitsangaben beziehen sich auf Desogestrel-Minipillen (Cerazette/Desirett) gemäß Fachinformation. Für andere Wirkstoffe können die Häufigkeiten abweichen. Nicht alle Frauen erfahren Nebenwirkungen. Die individuelle Reaktion auf ein Präparat kann erheblich variieren.

Hinweis: Unregelmäßige Blutungen sind die häufigste Begleiterscheinung der Minipille und treten besonders in den ersten Monaten der Einnahme auf. Sie sind in der Regel kein Zeichen eines gesundheitlichen Problems, können aber als belastend empfunden werden. Bei anhaltenden oder starken Blutungen ist eine ärztliche Abklärung empfohlen.

Minipille in der Stillzeit: Was ist zu beachten?

Die Minipille gilt als geeignete Verhütungsmethode in der Stillzeit, da sie kein Östrogen enthält, das die Milchproduktion beeinflussen kann. Kombinationspillen mit Östrogen sind in der Stillzeit nicht empfohlen. Der Beginn der Minipille nach der Geburt sollte mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt werden, auch hinsichtlich des optimalen Zeitpunkts.

  • Levonorgestrel-Minipillen: seit Jahrzehnten in der Stillzeit eingesetzt, gut dokumentiert
  • Desogestrel-Minipillen: ebenfalls für die Stillzeit zugelassen
  • Drospirenon (Slinda): Zulassung schließt die Stillzeit ein, jedoch geringere Langzeiterfahrung als Levonorgestrel.

Pearl-Index der Minipille

Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen bei einjähriger Anwendung einer Verhütungsmethode schwanger werden. Bei der Minipille variiert er je nach Wirkstoff:

  • Levonorgestrel-Minipille: Pearl-Index 0,5–3,0 (höher, da kein zuverlässiger Eisprungstopp)
  • Desogestrel-Minipille (Cerazette, Desirett, Jubrele): Pearl-Index 0,14 bei perfekter Einnahme
  • Drospirenon-Minipille (Slinda): Pearl-Index 0,73 (mit Berücksichtigung des 24-Stunden-Fensters)

Die Wirksamkeit hängt maßgeblich von der zuverlässigen täglichen Einnahme ab. Das Einnahmefenster ist dabei der entscheidende Faktor für die praktische Sicherheit (typical use).

FAQ zu Minipille:

Kann ich selbst zwischen Desirett und Cerazette wählen?

Desirett und Cerazette sind wirkstoffidentisch. Welches Präparat abgegeben wird, entscheidet in der Regel die Apotheke auf Basis der Verordnung und Verfügbarkeit. Pharmakologisch gibt es keinen Unterschied.

Schützt die Minipille genauso gut wie die Kombinationspille?

Desogestrel-Minipillen und Slinda erreichen bei konsequenter Einnahme einen vergleichbaren Pearl-Index wie Kombinationspillen. Levonorgestrel-Minipillen haben durch das fehlende Einsprungshemmungsmechanismus einen höheren Pearl-Index und gelten als weniger sicher bei unregelmäßiger Einnahme.

Was passiert, wenn ich die Minipille vergesse?

Das hängt vom Wirkstoff ab. Bei Levonorgestrel besteht bereits nach 3 Stunden ein erhöhtes Risiko. Bei Desogestrel erst nach 12 Stunden, bei Drospirenon erst nach 24 Stunden. In allen Fällen sollte die vergessene Tablette so schnell wie möglich nachgenommen und eine zusätzliche Verhütungsmethode eingesetzt werden. Die Packungsbeilage enthält die genauen Anweisungen.

Kann die Minipille bei Migräne mit Aura eingenommen werden?

Ja. Da die Minipille kein Östrogen enthält, ist sie bei Migräne mit Aura in der Regel nicht kontraindiziert – anders als Kombinationspillen. Die individuelle Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt.

Verursacht die Minipille Gewichtszunahme?

Gewichtsveränderungen werden als mögliche Nebenwirkung in den Fachinformationen aufgeführt. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Minipille und Gewichtszunahme ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Die individuelle Reaktion variiert.

Quellen

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