Abpumpen klingt simpel – Pumpe anschließen, Taste drücken, fertig. Aber viele stillende Mamas merken schnell: So einfach ist es dann doch nicht. Hier erfährst Du, welche Fehler beim Milchpumpen am häufigsten passieren und wie Du es von Anfang an richtig machst.
Das Wichtigste auf einen Blick
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Die falsche Brusthaubengröße ist der häufigste und folgenschwerste Fehler – sie kann Schmerzen, Milchrückstau und sogar einen Milchmangel verursachen.
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Der Saugrhythmus der Pumpe sollte an Deinen Körper angepasst werden, nicht umgekehrt.
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Stress, Ablenkung und Zeitdruck verhindern den Milchspendereflex – Entspannung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung.
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Zu seltenes oder zu kurzes Abpumpen kann die Milchmenge senken – besonders in den ersten zwei Wochen nach der Geburt.
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Hygiene ist kein optionales Extra: Unsachgemäß gereinigte Pumpenteile können Keime auf Dein Baby übertragen.
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Milch abpumpen braucht etwas Übung – gib Dir und Deinem Körper Zeit.
Warum Abpumpen mehr Können braucht als man denkt
Vielleicht hast Du Dir Deine Milchpumpe schon vor der Geburt besorgt, die Anleitung überflogen und gedacht: „Das kriege ich schon hin." Und ja – viele Mamas kriegen es hin. Aber oft erst, nachdem sie ein paar klassische Fehler gemacht (und daraus gelernt) haben. Viele Frauen hören nicht wegen fehlender Muttermilch mit dem Pumpen auf, sondern wegen vermeidbarer Probleme – Schmerzen, zu wenig Milch in der Flasche oder einfach weil der Einstieg sich frustrierend angefühlt hat.
Damit Dir das nicht passiert, findest Du hier die häufigsten Stolperfallen – und wie Du sie umgehst.
Fehler 1: Die falsche Brusthaubengröße verwenden
Das ist mit Abstand der häufigste Fehler – und der folgenreichste. Die Brusthauben (auch Flansche genannt) sind die Trichter, die Du an Deine Brust ansetzt. Passt die Größe nicht, kann es passieren, dass:
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die Pumpe zu viel oder zu wenig Gewebe einzieht,
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es schmerzhaft wird,
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sich die Milch nicht vollständig entleert,
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langfristig die Milchmenge sinkt.
Wie finde ich die richtige Größe? Miss den Durchmesser Deiner Brustwarze (ohne den Warzenhof) in Millimetern. Die passende Brusthaubengröße sollte etwa 2–3 mm größer sein als dieser Durchmesser. Die Brustwarze sollte sich frei in der Haube bewegen können, ohne dass dabei viel Warzenhof mitgezogen wird.
Wichtiger Tipp aus der Praxis: Miss am besten nach einer kurzen Stimulationsphase, wenn die Brustwarze leicht angeschwollen ist – das ergibt den realistischsten Wert. Vor dem Pumpen gemessen kann die Brustwarze kleiner erscheinen als während des Pumpens.
Wenn keine passende Standardgröße verfügbar ist, gibt es als Alternative sogenannte Soft-Cup-Einlagen aus Silikon, die in handelsübliche Flansche eingesetzt werden und den Kanal etwas verkleinern. Das ist eine praktische Lösung, die viele Mamas gar nicht kennen. Welche Pumpe überhaupt die richtige für Dich ist, erfährst Du in unserem Vergleich: Manuell vs. elektrisch vs. Doppelpumpe.
Wichtig: Viele Pumpen werden mit einer Standardgröße geliefert (oft 24 mm). Das passt nicht für alle Frauen. Schau Dir das Angebot an Ersatzaufsätzen an – es lohnt sich.
Fehler 2: Gleich mit vollem Sog starten
Mehr Sog = mehr Milch? Leider nein. Ein zu hoher Unterdruck kann schmerzhaft sein und das Brustgewebe sogar reizen. Und Schmerz hemmt genau das, was Du brauchst: den Milchspendereflex (auch Let-down-Reflex genannt).
Die meisten Pumpen haben einen zweigeteilten Modus:
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Stimulationsphase (schnelles, leichtes Pumpen) – ahmt das anfängliche Saugen Deines Babys nach und löst den Milchfluss aus.
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Ausdrückphase (langsameres, kräftigeres Saugen) – fördert den eigentlichen Milchfluss.
Was Du tun solltest: Starte immer mit dem Stimulationsmodus. Erhöhe den Sog nur so weit, bis Du ein leichtes Ziehen spürst – aber keinen Schmerz. Der optimale Sog ist der stärkste, der noch angenehm ist.
Fehler 3: Den Milchspendereflex ignorieren
Wenn Du Dich fragst, warum nur ein paar Tropfen kommen, obwohl Deine Brust prall ist – dann liegt es oft am fehlenden Milchspendereflex. Dieser Reflex sorgt dafür, dass die Milch überhaupt aus den Drüsen in die Milchgänge strömt. Er wird ausgelöst durch:
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den Anblick oder den Geruch Deines Babys,
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das Geräusch eines Babys, das weint,
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Wärme,
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Entspannung und positive Gedanken.
Praktische Tipps:
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Schau Dir beim Pumpen Fotos oder Videos Deines Babys an.
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Leg ein Kleidungsstück Deines Babys in der Nähe ab.
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Wärme die Brust vorher sanft mit einem Wärmekissen oder einem warmen Waschlappen.
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Atme tief durch und lass Dich nicht hetzen.
Gut zu wissen: Der Milchspendereflex tritt während einer Pumpeinheit mehrfach auf – nicht nur zu Beginn. Manche Frauen spüren ihn deutlich als Kribbeln oder Wärmegefühl in der Brust, andere bemerken ihn gar nicht. Beides ist vollkommen normal. Wenn Du nichts spürst, heißt das nicht, dass er nicht stattfindet.
Fehler 4: Zu selten oder zu kurz pumpen
Stillen und Abpumpen funktioniert nach Angebot und Nachfrage: Je öfter Milch entnommen wird, desto mehr produziert Dein Körper. Wenn Du zu selten pumpst, senkt sich die Milchmenge – oft schneller, als viele Frauen erwarten.
Als grobe Orientierung gilt:
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In den ersten Wochen: 8–12 Mal in 24 Stunden (ähnlich wie ein Neugeborenes trinkt)
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Wenn Du zusätzlich stillst: so oft, wie Du nicht anlegst
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Wenn Du ausschließlich pumpst: mindestens 8 Mal täglich, auch einmal nachts (in der Nacht ist der Prolaktinspiegel am höchsten)
Außerdem sollte jede Pumpeinheit lang genug sein: mindestens 15–20 Minuten, oder bis die Milch aufgehört hat zu fließen.
Besonders wichtig in den ersten zwei Wochen: Die Häufigkeit, mit der Du in den ersten 10–14 Tagen nach der Geburt pumpst, hat eine besondere Bedeutung. In dieser Phase wird die Milchmenge für die gesamte Stillzeit sozusagen „eingestellt". Wer in diesem Zeitraum zu selten entleert, hat es später deutlich schwerer, die Menge wieder aufzubauen. Gerade jetzt lohnt es sich, konsequent zu sein – auch wenn es anstrengend ist.
Fehler 5: Pumpen, wenn die Brust gerade „leer" ist
Dieser Fehler passiert häufig unbewusst: Du stillst Dein Baby, und direkt danach setzt Du Dich an die Pumpe – und wunderst Dich, dass kaum etwas kommt. Das ist kein Zeichen für zu wenig Milch, sondern ganz normal: Die Brust braucht Zeit, um sich wieder zu füllen.
Was hilft? Pumpst Du zusätzlich zum Stillen, sind zwei Strategien besonders effektiv:
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Pumpe gleichzeitig auf der anderen Seite, während Du Dein Baby anlegst.
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Oder warte nach dem Stillen 30–60 Minuten, bevor Du pumpst.
Fehler 6: Schmutzige Pumpenteile verwenden
Muttermilch ist ein hervorragendes Nährmedium – leider nicht nur für Dein Baby, sondern auch für Bakterien. Pumpenteile, die nicht gründlich gereinigt werden, können Keime ansetzen, die dem Baby schaden können.
Mindeststandard: Alle Teile, die mit Milch in Kontakt kommen, nach jeder Anwendung reinigen. Wie das geht, erfährst Du im Detail in unserem Hygiene-Leitfaden.
Fehler 7: Aufgeben, bevor es geklappt hat
Abpumpen ist eine Fähigkeit, die Zeit braucht. Dein Körper muss lernen, auf die Pumpe zu reagieren – das passiert nicht immer sofort. Viele Frauen berichten, dass es erst nach einigen Tagen oder sogar einer Woche regelmäßigen Pumpens richtig „funktioniert" hat.
Wenn Du Dir unsicher bist oder anhaltende Schmerzen hast: Wende Dich an eine Hebamme oder eine Stillberaterin (IBCLC). Eine qualifizierte Stillberaterin findest Du zum Beispiel über den Deutschen Hebammenverband oder die IBCLC-Suche unter www.bdl-stillen.de. Du musst das nicht alleine durchstehen.
Fazit
Abpumpen ist keine Raketenwissenschaft – aber es braucht Vorbereitung, ein wenig Wissen und etwas Geduld. Die gute Nachricht: Die meisten Fehler lassen sich einfach vermeiden, wenn Du sie kennst. Und wenn etwas nicht klappt, ist das kein Versagen – es ist einfach Übungssache. Noch keine Pumpe? Du kannst eine hochwertige Doppelmilchpumpe ganz einfach auf Rezept mieten – direkt nach Hause.






