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Du liest: Schmerzen beim Stillen – was kann ich tun?

Stillen soll schön sein – ein inniger Moment zwischen Dir und Deinem Baby. Doch für viele Frauen fühlt es sich anfangs alles andere als idyllisch an. Schmerzen beim Stillen sind häufig, aber nicht normal. Hier erfährst Du, was dahinter stecken kann und was Dir wirklich hilft.

 


 

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Leichte Empfindlichkeit in den ersten Tagen ist normal – anhaltende oder starke Schmerzen sind es nicht.

  • Die häufigste Ursache ist eine falsche Anlegetechnik.

  • Wunde Brustwarzen, Milchstau, Mastitis, Soor und Vasospasmus sind die häufigsten Schmerzursachen – sie lassen sich gut behandeln.

  • Frühzeitige Unterstützung durch eine Hebamme oder Stillberaterin kann viel Zeit, Schmerzen und Stress sparen.

  • Schmerzmittel können in der Stillzeit genommen werden – welche, besprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

 


 

Stillen tut weh – muss das so sein?

Eine der häufigsten Aussagen, die ich von Mamas in den ersten Stilltagen höre, ist: „Ich dachte, das ist normal." Und ja – ein gewisses Druckgefühl oder leichtes Kribbeln in der Anfangsphase ist tatsächlich normal. Dein Körper stellt sich gerade auf etwas Neues ein, und Deine Brustwarzen sind zunächst noch ungewohnt beansprucht.

Was aber nicht normal ist: Schmerzen, die so stark sind, dass Du Deine Zehen einrollen oder die Luft anhalten willst. Schmerzen, die über die ersten Sekunden des Anlegens hinausgehen. Risse, Blutungen, Schwellungen oder Fieber. Das sind Signale Deines Körpers, die Du ernst nehmen solltest – nicht ignorieren.

 


 

Ursache 1: Falsche Anlegetechnik

Das ist bei weitem die häufigste Schmerzursache beim Stillen. Wenn Dein Baby nicht tief genug an die Brust angelegt wird und nur die Brustwarze – statt eines großen Teils des Warzenhofs – im Mund hat, entsteht Reibung und Druck genau dort, wo es wehtut.

Zeichen für eine gute Anlegeposition:

  • Das Baby hat einen großen Teil des Warzenhofs (nicht nur die Brustwarze) im Mund.

  • Das Kinn des Babys berührt die Brust.

  • Die Nase ist frei.

  • Du hörst das Baby schlucken, nicht nur saugen.

  • Die Brustwarze sieht nach dem Anlegen rund aus – nicht abgeplattet, gekerbt oder weiß verfärbt.

Was hilft: Lass Dir die Anlegeposition von einer Hebamme zeigen – am besten persönlich, denn ein kurzer Blick von jemandem mit Erfahrung kann mehr bewirken als eine stundenlange Recherche im Internet.

Besondere Situationen: Wenn Du flache oder invertierte Brustwarzen hast, kann das Anlegen zusätzlich erschwert sein. In diesen Fällen können Stillhütchen vorübergehend und unter fachkundiger Begleitung sinnvoll sein – aber nicht als Dauerlösung, da sie die Milchmenge beeinflussen können. Sprich das unbedingt mit Deiner Hebamme ab. Auch das sogenannte asymmetrische Anlegen – das Baby von unten an die Brust führen, statt es mittig auf die Brustwarze zu setzen – hilft oft erheblich und wird in der Praxis leider zu selten gezeigt. Auch beim Abpumpen spielt die richtige Technik eine große Rolle – die häufigsten Fehler findest Du hier.

 


 

Ursache 2: Wunde Brustwarzen

Wunde, rissige oder sogar blutende Brustwarzen sind häufig eine Folge falsch angelegt – aber nicht immer. Manchmal sind sie einfach eine Reaktion auf die ungewohnte Beanspruchung in den ersten Tagen.

Was hilft:

  • Lanolin-Salbe: Reine Wollwachsalbe (z. B. Lansinoh) wirkt feuchtigkeitsspendend und fördert die Heilung – und muss vor dem Stillen nicht abgewaschen werden.

  • Muttermilch: Trage nach dem Stillen etwas Muttermilch auf die Brustwarze auf und lass sie an der Luft trocknen. Muttermilch hat antibakterielle Eigenschaften und unterstützt die Heilung.

  • Stillhütchen: Nur als kurzfristige Überbrückung, nicht als Dauerlösung – und nur in Absprache mit einer Fachkraft, da sie die Milchmenge beeinflussen können.

 


 

Ursache 3: Milchstau

Ein Milchstau entsteht, wenn ein Milchgang verstopft und sich Milch in der Brust staut. Typische Anzeichen: Eine verhärtete, druckempfindliche Stelle in der Brust, Rötung, Wärme, manchmal auch ein leichtes Krankheitsgefühl.

Was hilft:

  • Weiter stillen oder abpumpen – am besten zuerst die betroffene Seite.

  • Vor dem Stillen: Wärme (z. B. mit einem Wärmekissen oder einem warmen Waschlappen).

  • Nach dem Stillen: Kühlung – am besten mit speziellen Kühlpads oder einem in ein Tuch gewickelten Kühlakku. Wichtig: Quark direkt auf der Haut ist weniger geeignet, da er die Poren verstopfen kann.

  • Sanfte Massagen in Richtung der Brustwarze während des Stillens.

  • Ausreichend trinken und schlafen (ja, leichter gesagt als getan).

Bei wiederkehrenden Milchstaus: Manche Frauen neigen dazu, immer wieder Milchstaus zu bekommen. In solchen Fällen kann Sonnenblumenlecithin (1–2 Esslöffel täglich, z. B. über Joghurt oder Müsli) prophylaktisch helfen. Es macht die Milch etwas flüssiger und kann so das Verstopfen der Milchgänge verhindern. Sprich das mit Deiner Hebamme oder Ärztin ab.

Was Du nicht tun solltest: Den Milchstau ignorieren. Unbehandelt kann er sich zu einer Mastitis entwickeln.

 


 

Ursache 4: Mastitis (Brustentzündung)

Eine Mastitis ist eine Entzündung des Brustgewebes, die oft auf einem unbehandelten Milchstau beruht. Typische Symptome: Starke Schmerzen, Rötung und Schwellung der Brust, Fieber über 38,5 °C, Krankheitsgefühl, Schüttelfrost.

Was hilft:

  • Weiter stillen – das ist wichtig und schadet dem Baby nicht! Die Milch ist trotz Mastitis unbedenklich für Dein Kind – das ist eine häufige Sorge, die ich in der Praxis immer wieder höre. Wenn das Stillen auf der betroffenen Seite zu schmerzhaft ist, kann Abpumpen als vorübergehende Alternative helfen.

  • Ärztliche Behandlung: Bei einer Mastitis werden oft Antibiotika nötig. Die meisten davon sind mit dem Stillen vereinbar – sprich Deine Ärztin oder Deinen Arzt darauf an.

  • Ruhe, Wärme, Schmerzmittel (nach ärztlicher Absprache).

Bitte nicht warten: Eine Mastitis verschwindet nicht von selbst. Geh lieber einmal zu früh zur Ärztin oder zum Arzt als zu spät. Wenn Schmerzen oder ein Milchstau dazu geführt haben, dass Du seltener gestillt oder gepumpt hast, kann die Milchmenge sinken. Was Du dann tun kannst, erfährst Du hier. Liegt eine Brustentzündung oder eine Verletzung der Brustwarzen vor, hast Du in der Regel Anspruch auf eine Milchpumpe auf Rezept.

 


 

Ursache 5: Soor (Pilzinfektion)

Wenn Deine Brustwarzen dauerhaft jucken, brennen oder stechen – auch zwischen den Stillmahlzeiten – und Du eventuell weißliche Beläge im Mund Deines Babys bemerkst, könnte ein Hefepilz (Candida) dahinterstecken.

Soor nach einer Antibiotika-Behandlung ist besonders häufig. Wichtig: Immer Mutter und Kind gleichzeitig behandeln, sonst werdet Ihr Euch gegenseitig immer wieder anstecken.

Was hilft: Antimykotische Creme für Dich, antimykotisches Gel oder Tropfen für Dein Baby – beides auf ärztliche Empfehlung hin.

 


 

Ursache 6: Vasospasmus (Raynaud-Phänomen der Brustwarze)

Diese Ursache wird häufig übersehen – und mit Soor verwechselt. Beim Vasospasmus ziehen sich die Blutgefäße in der Brustwarze nach dem Stillen krampfartig zusammen. Das äußert sich in einer typischen Weißverfärbung der Brustwarze direkt nach dem Ablösen des Babys, verbunden mit starken, oft brennenden oder stechenden Schmerzen, die einige Minuten andauern können.

Auslöser können Kälte, ein schmerzhaftes Anlegen oder eine vorbestehende Neigung zu Durchblutungsstörungen sein.

Was hilft:

  • Die Brust nach dem Stillen sofort warmhalten – zum Beispiel mit einem warmen Tuch oder der eigenen Hand.

  • Zugluft und Kälte direkt nach dem Stillen vermeiden.

  • In ausgeprägten Fällen kann eine ärztliche Behandlung sinnvoll sein – sprich Deine Ärztin an.

Wenn Du diese Symptome erkennst, ist eine Hebamme oder Stillberaterin die erste Anlaufstelle – eine genaue Diagnose ist wichtig, um die richtige Behandlung einzuleiten.

 


 

Wann zur Hebamme oder Ärztin?

  • Schmerzen halten trotz Verbesserung der Anlegeposition an.

  • Brustwarzen zeigen tiefe Risse oder bluten.

  • Du hast Fieber.

  • Die Brust ist gerötet, geschwollen oder extrem druckempfindlich.

  • Stillen macht Dir solche Angst, dass Du es vermeiden möchtest.

Du musst Schmerzen nicht ertragen. Und Du musst nicht alleine herausfinden, was los ist. Hol Dir Hilfe – das ist keine Schwäche, sondern genau das Richtige. Eine qualifizierte Stillberaterin (IBCLC) findest Du über www.bdl-stillen.de oder den Deutschen Hebammenverband.

 


 

Fazit

Schmerzen beim Stillen sind häufig, aber in den allermeisten Fällen behandelbar. Die Ursache zu kennen, ist der erste und wichtigste Schritt. Und auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt: Die meisten Probleme lassen sich lösen – mit der richtigen Unterstützung und ein bisschen Geduld.

 

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