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Du liest: Migräne: Wenn die Periode noch nicht genug ist!

Schlechte Laune vor der Periode? Kannte ich. Rückenschmerzen? Auch vertraut. Aber dann kam der Kopfschmerz – kein normaler, sondern dieser pulsierende, alles lähmende Schmerz, der sich genau dann einfindet, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen kann. Wenn Du das kennst, dann weißt Du auch: Das ist kein Zufall. Migräne und Menstruation sind biochemisch eng miteinander verbunden – und dieser Zusammenhang ist seit einigen Jahren besser erforscht als je zuvor.

Was genau passiert in Deinem Körper? Warum trifft es manche Frauen jeden Monat aufs Neue? Und was hat die Pille damit zu tun? Das klären wir hier.

Zwei Formen – ein Mechanismus

Nicht jede Kopfschmerzattacke rund um die Periode ist gleich. Medizinisch unterscheidet man zwei Formen:

  • Menstruelle Migräne: Die Attacken treten ausschließlich im Zusammenhang mit der Periode auf – in der Regel zwei Tage vor bis drei Tage nach Beginn der Blutung. Kein anderer Zeitpunkt im Zyklus ist betroffen.
  • Menstruationsassoziierte Migräne: Hier häufen sich die Attacken rund um die Periode, treten aber auch zu anderen Zeitpunkten im Zyklus auf. Diese Form ist häufiger.

Beide Formen haben denselben Auslöser im Hintergrund: hormonelle Schwankungen. Und beide sind keine Einbildung – sie haben eine biologische Grundlage, die inzwischen gut belegt ist.

Der Auslöser: Wenn Östrogen fällt

Um zu verstehen, warum die Periode Migräne auslöst, hilft ein kurzer Blick auf den Zyklus. Östrogen steigt in der ersten Hälfte des Zyklus an, erreicht seinen Höhepunkt zur Ovulation – und fällt dann kurz vor Beginn der Menstruation steil ab. Dieser Abfall ist der entscheidende Moment.

Warum dieser Abfall so schmerzhaft sein kann: Er triggert die Freisetzung von CGRP. CGRP steht für „Calcitonin Gene-Related Peptide" – ein Entzündungsbotenstoff, der im trigeminovaskulären System des Gehirns wirkt. Er weitet die Blutgefäße, löst eine Entzündungsreaktion aus und aktiviert Schmerzrezeptoren. Das Ergebnis: der typische, pulsierende Migräneschmerz.

Dass dieser Mechanismus nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen so funktioniert, haben Forscherinnen und Forscher der Berliner Charité 2023 in einer Studie mit 180 Frauen nachgewiesen. Das Ergebnis war eindeutig: Frauen mit Migräne hatten während der Menstruation deutlich höhere CGRP-Spiegel als gesunde Frauen ohne Migräne – gemessen sowohl im Blut als auch in der Tränenflüssigkeit. Genau dann, wenn der Östrogenspiegel zur Einleitung der Periode sinkt, schütten Migränepatientinnen vermehrt CGRP aus.

Das erklärt auch, warum menstruelle Migräneattacken oft intensiver und länger andauern als Attacken zu anderen Zyklusphasen – und warum sie nach der Menopause häufig seltener werden: Wenn die Hormonschwankungen aufhören, verliert auch dieser Auslöser seinen Einfluss.

Warum Frauen so viel häufiger betroffen sind

Vor der Pubertät leiden Mädchen und Jungen etwa gleich häufig unter Migräne. Danach verschiebt sich das Verhältnis deutlich: Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Diese Diskrepanz entsteht nicht zufällig mit dem Beginn des Menstruationszyklus.

Östrogen wirkt direkt auf das trigeminovaskuläre System – das Netzwerk aus Nerven und Blutgefäßen, das die Schmerzbahn der Migräne bildet. Hormonschwankungen sensibilisieren dieses System und senken die Schwelle, ab der eine Migräne ausgelöst wird. Ein Körper, der monatlich durch starke Östrogenschwankungen geht, ist anfälliger – das ist keine persönliche Schwäche, sondern Biologie.

Die Pille: Helferin oder Mitverursacherin?

Viele Frauen nehmen hormonelle Verhütungsmittel – und fragen sich, welche Rolle die Pille bei ihrer Migräne spielt. Die Antwort ist: Es kommt stark darauf an, welche Pille und wie sie eingenommen wird.

Kombinationspillen (die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthalten) erzeugen in der pillenfrei­en Woche einen künstlichen Östrogenabfall. Dieser kann – ähnlich wie der natürliche Abfall vor der Periode – eine Migräneattacke auslösen. Für manche Frauen verschlimmert die Pille ihre Migräne dadurch spürbar.

Eine Möglichkeit, diesem Muster zu entgehen: die Pille ohne Pause durchnehmen, also keinen pillenfrei­en Intervall einlegen. So bleibt der Östrogenspiegel stabiler und der typische Abfall – und damit der Migräne-Auslöser – entfällt. Das sollte aber ärztlich begleitet werden.

Wichtiger Hinweis zu Migräne mit Aura: Frauen, die Migräne mit neurologischen Vorboten (Aura) haben, sollten östrogen­haltige Kombinationspräparate grundsätzlich meiden. Migräne mit Aura erhöht das Schlaganfallrisiko – und Östrogen verstärkt dieses Risiko weiter. Die WHO und die einschlägigen Leitlinien empfehlen für diese Frauen ausdrücklich östrogenfreie Verhütung.

Östrogenfreie Alternativen: Was empfohlen wird

Für Frauen mit Migräne – besonders mit Aura – sind reine Gestagen­präparate die empfohlene Alternative. Sie enthalten kein Östrogen und erzeugen damit keinen zyklischen Hormonabfall, der Migräne triggern könnte. Einige Frauen berichten sogar von einer Verbesserung ihrer Migränesymptome.

Zu den östrogenfreien Optionen gehören:

  • Die Minipille (reines Gestagen oral)
  • Die Hormonspirale
  • Die Dreimonatsspritze
  • Das Verhütungsimplantat

Welche Option zu Dir passt, hängt von Deiner individuellen Situation ab. Ein Gespräch mit einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen, die oder der die Migräne-Verhütungs-Verbindung kennt, ist hier besonders wertvoll.

Was das für Dich bedeutet

Wenn Du regelmäßig rund um Deine Periode unter Migräne leidest, ist das keine Selbstverständlichkeit, die Du einfach aushalten musst. Es ist ein biologisch erklärbarer Mechanismus – und ein behandelbarer.

Der erste Schritt: ein Migränetagebuch. Notiere über zwei bis drei Monate Datum, Intensität und Dauer jeder Attacke – und dazu den jeweiligen Zyklustag (Tag 1 = erster Tag der Periode). Wenn sich ein Muster zeigt, ist das die Grundlage für ein gezieltes Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Denn wer seinen Körper versteht, kann ihn besser vertreten.

FAQ: Menstruelle Migräne und Hormone

Was ist der Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen?

Migräne ist keine intensivere Version von Kopfschmerzen – sie ist eine eigene neurologische Erkrankung. Typisch sind einseitige, pulsierende Schmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Manchmal gehen neurologische Symptome voraus (Aura): Sehstörungen, Kribbeln, Sprachprobleme. Wer vermutet, an Migräne zu leiden, sollte das ärztlich abklären lassen.

Wie häufig ist menstruelle Migräne?

Etwa jede zweite Frau mit Migräne berichtet von einem Zusammenhang mit dem Zyklus. Die reine menstruelle Migräne – ausschließlich rund um die Periode – betrifft rund 10 % der Migränepatientinnen. Die menstruationsassoziierte Form, bei der die Periode ein besonders häufiger Auslöser ist, aber nicht der einzige, ist deutlich weiter verbreitet.

Warum ist menstruelle Migräne oft schlimmer als andere Attacken?

Menstruelle Migräneattacken sind nachweislich intensiver, länger und schwerer auf Medikamente anzusprechen. Der Grund liegt wahrscheinlich in der Kombination aus niedrigem Östrogen und erhöhtem CGRP-Spiegel – ein Zusammenspiel, das das trigeminovaskuläre System besonders stark aktiviert.

Kann ich mit Migräne überhaupt hormonell verhüten?

Ja – aber die Wahl des Präparats ist entscheidend. Frauen mit Migräne ohne Aura haben mehr Optionen als Frauen mit Aura. Für letztere sind östrogen­haltige Kombinationspräparate kontraindiziert. Reine Gestagen­präparate sind für beide Gruppen in der Regel geeignet. Unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.

Verbessert sich menstruelle Migräne nach den Wechseljahren?

Für viele Frauen ja. Da der hormonelle Auslöser – der zyklische Östrogenabfall – nach der Menopause entfällt, werden menstruelle Migräneattacken oft seltener oder hören ganz auf. Allerdings können Hormonschwankungen in der Perimenopause die Migräne zunächst vorübergehend verstärken, bevor sie sich langfristig bessert.

Was tun, wenn ich Migräne habe und aktuell eine Kombinationspille nehme?

Sprich Deine Ärztin oder Deinen Arzt direkt darauf an – und sag dabei klar, ob Du Migräne mit oder ohne Aura hast. Das ist medizinisch relevant. Falls Du es nicht weißt: Ein Neurologe oder eine Neurologin kann das abklären. Wechsle nicht eigenständig das Verhütungsmittel, ohne das vorher besprochen zu haben.

Fazit: Dein Körper sendet ein Signal – kein Urteil

Menstruelle Migräne ist kein Zeichen, dass Dein Körper versagt. Es ist ein Zeichen, dass er auf hormonelle Schwankungen empfindlich reagiert – mit einem Mechanismus, den die Forschung erst in den letzten Jahren wirklich zu verstehen beginnt.

Du musst das nicht als unvermeidlich akzeptieren. Du kannst es verstehen, dokumentieren, mit der richtigen Unterstützung behandeln – und aufhören, Dich jeden Monat dafür zu entschuldigen.

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Migräne, die regelmäßig auftritt, bitte immer ärztlich abklären lassen – besonders wenn neurologische Symptome wie Aura auftreten.

Quellen:

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